Trilok Gurtu

Hamburg

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? Trilok, als ich Deinen Namen zum ersten Mal hörte, war das im Zusammenhang mit Charlie Mariano's Band. Was hast Du vor dieser Zeit gemacht?

! Ich habe mit der Tabla angefangen, als ich vier oder fünf ]Jahre alt war; damals allerdings ohne Lehrer. Meine Mutter ist eine klassische, indische Sängerin... mein Großvater spielte Sitar, er war ein guter Musiker. Doch niemand kannte ihn, denn er hat nur Zuhause gespielt, weil er genug Geld hatte und keine Auftritte wollte. Die Mutter meiner Mutter war eine bekannte Tänzerin und so war ich immer in diesem Kreis von guten Musikern. Die habe ich spielen sehen und das habe ich nachgemacht und versucht, so zu spielen. Schuld war auch mein Bruder; er hat immer Platten mit Latin-Music mitgebracht und ich habe auch versucht, Congas zu spielen so wie auf den Platten. Als ich dann 10 Jahre alt war, habe ich zusammen mit ihm eine Perkussionsgruppe gehabt und wir sind in den Universitäten aufgetreten. Irgendwann einmal in der Universität, wo ich studierte, ist ein Drummer ausgefallen; er konnte nicht mehr spielen. Und ich konnte damals schon Bongos und Schlagzeug spielen. Und da fragte man mich, ob ich einspringen könne. Ich habe einen Tag geübt und dann dort einen Auftritt gemacht.

? Du hast an dieser Universität studiert?

! Ich habe Ökonomie und so etwas gemacht, aber ungern. Es war nur für meinen Vater. Er sagte, ich müsse etwas studieren. Also habe ich Kunst, Weltgeschichte und Geographie studiert. Weißt Du, das hat mir ein bißchen geholfen, dies und das zu verstehen, aber mein größtes Interesse war die Musik.

? Das heißt, Du hast dort auch Musik studiert?

! Nein, ich habe keine Musik studiert, ich bin Autodidakt. Nur Tabla habe ich mit 11 Jahren bei einem Lehrer gehabt; der eigentlich meinen Bruder unterrichten wollte. Er kam eines Abends zu uns und da habe ich gerade gespielt und er fragte: Wer ist das? Und mein Bruder antwortete: Das ist mein kleiner Bruder. Da hat der Lehrer mich als Schüler genommen und ich bekam Unterricht. Mit ihm habe ich drei Jahre studiert; sein Name war Abdul Karim er war toll, er spielte Folk mit der Dholak er ist bis jetzt der Beste. Da habe ich studiert und er hat mich manchmal auch geschlagen. Das ist normal wenn man mal nicht richtig spielt, dann ppuuuuaaaaahhhh, dann kriegt man ein bißchen. Da habe ich Angst gehabt und gedacht: Gott neee, das will ich nicht. Also habe ich mit Congas und mit Schlagzeug angefangen, so Pop und Jimi Hendrix. Ich denke, das war Glück, daß ich so etwas gehört habe; ich sollte das hören. Gewollt habe ich das nie - es ist einfach so gekommen und ich habe das alles akzeptiert.

? Du hast also niemals die klassische indische Musik studiert?

! Na ja, klassisch habe ich schon studiert. Zuhause war immer klassische Musik zu hören. Von Morgens bis Nachts habe ich diese Musik in den Ohren gehabt und der Tablalehrer war ein klassischer Lehrer. Aber nebenbei habe ich immer andere Musik gehört. Jimi Hendrix, Cream, Otis Redding, James Brown habe ich gehört und dann begann die Hippiezeit. Meine Freunde hatten damals schon Platten von Miles Davis und Coltrane. Und eine Platte hat geklickt: ' Goltrane plays the Blues' mit Elvin Jones. Und da habe ich gedacht: wwooohh-tolI, die habe ich ganz laut gehört, ich bin da richtig mitgegangen und habe gesagt: Mann, ist das toll. Von da an habe ich nur noch Jazz gehört und habe Elvin nachgemacht. Jetzt mache ich niemanden mehr nach. Hoffentlich nicht. Ich habe das alles gefiltert und mache etwas als Ich, als Trilok. Aber damals habe ich eine schwere Zeit gehabt, denn eigene Instrumente besaß ich nicht; ich habe auf dem Tisch getrommelt. Wir sind dann mit der Perkussionsgruppe nach Italien gegangen und haben dort alles mögliche gespielt. Albert Ayler, Ornette, Don Cherry; ihn habe ich in der Zeit auch kennengelernt. Damals habe ich mir meine Instrumente noch zusammen geliehen. Ich bin zu den Leuten hingegangen und habe gesagt: Du hör mal, ich habe einen Auftritt. Kannst Du mir Dein Hi-Hat ausleihen; ich gebe Dir 10 Mark dafür. Dann sind wir nach Indien zurückgekommen und ich habe bei Ahmed Jan Thirakwa studiert, dem größten indischen Tablaspieler. Vorher hatte ich aber schon südindische Musik gelernt, denn ich meine, südindische Musik ist sehr reine und starke Musik. Das sind ja auch meine Einflüsse, südindische und afrikanische Musik. Und wenn ich afrikanisch sage, dann meine ich Kuba, Brasilien, Afro-Kuba, Afro-Brazil, das ist alles aus Afrika gekommen.

? Könnte man sagen, daß Du über diese Musik in den Jazz reingerutscht bist ?

! Gott sei Dank - ich bin nur von einem Schritt zum anderen gekommen, ohne daß ich das wollte. Ich habe nur alles so akzeptiert, wie es kam. Ich habe Coltrane gehört: Toll! Ich habe ja nicht gefragt: Was ist das? Dann habe ich Beethoven und Bach gehört, weil ich Freunde hatte, die Geld hatten. Mein Freund hat mir Beethoven erklärt und mir Brahms vorgespielt. Er war Parsi, mein Freund; wir hatten eine Gruppe Waterfront; wir haben moderne Musik mit Tabla und Schlagzeug gespielt, sehr modern gemacht, mit so ungewöhnlichen Takten und so habe ich meinen Stil entwickelt, denn zuvor hatte ich gar keinen. Aber Jazz, wenn man solche Musik spielt, dann muß man die Musik lieben, sonst wird sie zur Mode und bleibt nicht lange. Ich habe Jazz immer in meinem Herzen und wenn ich ihn höre, dann sage ich: Toll! Ich bin Gott dankbar, daß ich Coltrane hören konnte.

? Trilok, Du spielst in verschiedenen Bands mit, z.B. bei Oregon oder in John McLaughlins Trio. Machst Du eigentlich Unterschiede in der Musik dieser Gruppen?

! Nein, eigentlich nicht. Musikalisch sind natürlich Unterschiede da, weil es auch unterschiedliche Menschen sind. Auch die Stücke sind verschieden. John orientiert sich sehr an Indien, also daran, was ich auch gerne mache. Ich glaube, er würde sagen, daß ich sein Typ bin.

? Stimmt, das hat er tatsächlich gesagt.

! Ja? Aber das ist genau das Wort; es ist toll. Es klappt sofort mit ihm. Mit Oregon ist es total anders, aber es klappt trotzdem. Das ist eine ganz andere Art, spontan und improvisiert. Dann habe ich mit Gabarek gespielt. Ich denke, das sind eben alles so spontane Musiker, daß es einfach klappt.

? Fühlst Du Dich ein bißchen zerrissen, wenn Du in vielen verschiedenen Bands mitspielst? Sonst bleibt man doch in einer Band.

! Nein. Ich spiele gerne Musik. Wenn ich merke, daß es nicht meine Musik ist, dann spiele ich nicht mit. Ich komme klar mit Oregon und ich komme klar mit John. Wenn ich mit Shankar oder Gabarek oder Jack DeJohnette etwas mache - ich komme klar. Wenn ich mich nicht entwickeln kann, musikalisch, dann mache ich es nicht. Wenn ich z.B. sehe, daß Dinge nur für Geld gemacht gemacht werden, dann ist das zwar auch wichtig, aber Musik ist das Echte.

? Machen wir noch mal einen Sprung zur indischen Musik. Deine Platte Usfret ist sehr indisch orientiert. Solche Musik läßt sich bestimmt schwer verkaufen.

! Das kommt darauf an, wie man die Musik macht. Wenn das reine indische Musik ist, dann ist das schon schwieriger, denn diese Musik hat nicht so viel Publikum wie Jazzmusik. Aber ich glaube, daß Usfret eine Mischung aus Jazz, Pop und ethnic music ist, eine Mischung, die ich gerne spiele. Ja, die Platte ist indisch für meine Mutter. Ich wollte die Stimme meiner Mutter haben. Ich hatte die Idee, daß meine Mutter traditionelle Songs auf eine neue Ebene bringt. Nicht immer East Meets West. Das ist alles Quatsch. Das ist Nothing. Wie man das macht und wie ehrlich man das macht, ist die Frage, nicht als Mode. Da spielt jemand mit der Sitar und wird geholt, weil einer indische Farbe in der Musik haben will.

? Aber warum spielst Du selbst nicht mehr indische Musik? Du könntest die Meinung über die Musik doch ändern.

! Weil es schwer ist, soviel Leute zusammenzubringen und weil es sehr viel kostet. Es ist eine finanzielle Frage. Eine andere Frage ist, ob die Leute gerade Zeit haben. Aber ich mache in einigen Monaten wieder eine Platte, weil ich natürlich auch gern meine Projekte mache. Klar spiele ich gern mit John, aber ich möchte auch meine Ideen verwirklichen. Daniel Goyone wird dabei sein; der Franzose hat Klavier und Keyboards auf Usfret gespielt. Er ist immer dabei, weil wir alle Stücke zusammen komponieren und arrangieren. Gabarek wird da sein, Nana wird da sein - und jetzt suche ich jemanden mit Gelb, vielleicht Hank Roberts oder Dave Holland. Und natürlich indische Musiker mit Sarangi oder Veena. Also Leute, die meine Musik Verstehen. Meine Mutter hat meine Musik verstanden, aber das ist auch klar, denn ihr kann ich sagen: Du Mama, hör mal, mach den Sound so. Aber bei anderen, da weiß ich noch nicht, wie ich es ihnen sagen muß. Ich muß mir jemand suchen, der flexibel ist. In anderen Worten: Er muß meine Gedanken verstehen und ich muß seinen Kopf verstehen, das ist alles. Da muß man hineingehen und dann sagen: Aahaa so ist das.

? Außerdem bist Du am 2Oth-Century-Rhythms-Projekt von Katia und Marielle Labeque beteiligt. Das ist ja nun eine ganz andere Richtung.

! Das ist toll, weil ich jetzt Klassik kennenlerne und Kontakt mit solchen Kompositionen habe. Ich habe noch nie jemanden gesehen, der so toll Petrouschka spielt wie Katia und Marielle. Bartok, Stravinsky, ich habe alle Platten gehört ... das ist Wahnsinn. Ich fühle mich ganz toll, wenn ich von den Beiden etwas lerne. Für mich ist das eine Erfahrung, von dem ich was in meine Musik hineinfiltern kann, wie es auch andere Musiker gemacht haben. Miles machte das auch. Er nimmt von dort oder da etwas und macht was eigenes daraus. Ich höre eigentlich alles, denn Musik ist nicht begrenzt. Musik ist groß und bleibt immer groß. Wir machen die Musik mit unseren Schubladen klein, das sind Wir. Und das ist der Grund, jedesmal neu zu lernen. Bei der nächsten Tour muß man sagen: Aaah, da kommt etwas anderes - die Musik bringt etwas Neues. Das ist das Tolle. Ich kann soviel von Bach oder Beethoven oder Dvorak lernen, von Bartok, von Stravinsky, von der klassischen Seite und vom Jazz oder von indischer Musik - das ist soviel. Und jetzt kommen wieder neue Musiker, die verrückte Ideen haben.

? Wer zum Beispiel?

! Ich habe Whitney Houston gehört oder Siedah Garrett, das war toll. Prince toll. Alle neue Musik ist toll. Diese jungen Leute...

? Du sagst: die jungen Leute. So alt bist Du doch auch noch nicht.

! Ich bin mindestens 49 Jahre alt. Aber alt fühle ich mich nicht. Junge Leute bedeutet eine neue Generation. Und hoffentlich hören sie Miles und Coltrane und andere alte Sachen. Cannonball, Bill Evans am Klavier. Und wenn sie diese alten Sachen mit ihren neuen Ideen verbinden, mit Elektronik und so das wäre der Hammer.

? Noch mal zu den Labeques: Marielle hat einmal gesagt, daß es für sie sehr schwer war, sich Deinem Rhythmus anzupassen.

! Das liegt daran, daß sie nie Schlagzeug gespielt hat. Sie hat eben einen andern Rhythmus. Ich hatte auch Schwierigkeiten, mich anzupassen, aber wir haben es einfach gemacht. Jeder spielt eine Rolle, in der er sich bequem fühlt. Ich habe John gefragt: Komm, wie machen wir das? Und John fragte zurück: Gehst Du mit dem Klavier? Ich sagte: Ja. Und dann bin ich einfach mit dem Klavier mitgegangen. Was sie gespielt haben, da bin ich mitgegangen. Dort, wo Musik fließt, da habe ich mitgemacht und das klingt dann harmonisch.

? Du spielst nicht nach Noten, sondern experimentierst herum, oder ?

! Ja. Zum Beispiel mit Katia und Marielle; ich habe nicht nach Noten gespielt, aber ich habe Noten gehabt. Ich kann Noten lesen, aber nicht so schnell wie die Beiden. Wenn ich die Noten einmal analysiert habe, dann bastele ich mir eine Art Skelett zurecht, sonst nichts.

? Ist eine Frage nach deinen Vorbildern überflüssig? Ich meine, gibt es Vorbilder für Dich?

! Vorbilder... als großer Gott? Nein, die habe ich nicht gehabt, tut mir leid. Vielleicht einmal meinen Lehrer, aber dann habe ich gedacht, warum soll ich so spielen wie er ich muß was anderes spielen, weil er das ja schon alles gemacht hat. Nein, Vorbilder habe ich nicht. Ich liebe und respektiere alle großen Musiker und ich lerne von ihnen, aber ich habe keine Lust, wie jemand anderer zu spielen, denn dann bin ich nicht Ich. Alles, was ich mir in vielen Jahren erarbeitet habe, hätte dann keinen Wert.

? Andererseits gibt es aber Perkussionisten, die sich an Deiner Spielart orientieren, z.B. Nana Vasconcelos. Er benutzt neuerdings Drumsticks und spielt Schlagzeug.

! Ja, das stimmt. Aber sag es ihm nicht, denn dann ist er sauer. (lacht) Früher hat er nicht mit Schlagzeug gespielt, neee.

? Er hat also abgeguckt?

! Collin Walcott auch. Er hat mir geholfen, ein Hi-Hat zu konstruieren und dann fing Collin an, Schlagzeug zu spielen. Auf der letzten Platte, Crossing glaub ich war das. Ralph (Towner) hat mir das erzählt: Mann, hat der Schlagzeug gespielt. Ich hatte ihm mal gesagt: Collin, du brauchst auch Becken und Tom Toms und so. Perkussion ist nicht nur Geräusche. Das ist alles, das ist Multi. Bei Multi mußt du alles machen, Sound und Schlagzeug, wie ein Klavierspieler, wie Einstein.

? Wenn man Dich hört, spielst Du richtig eigenständige Musik und nicht nur Begleitung. Bist Du über die Rolle des Sideman hinaus?

! Hoffentlich. Bei Oregon oder mit Archie Shepp oder bei der Family Of Percussion, da habe ich mit eigenen Experimenten angefangen, mit Peter Giger, und da hat sieh eigentlich meine eigene Rolle entwickelt. Seitdem war ich eigentlich niemals Sideman. Mit einer Ausnahme: Nur bei John bin ich das erste Mal ein richtiger Sideman. Aber auch, wenn ich nur Sideman bin: ich bleibe Ich. Niemand kann mir sagen: spiel mal Sound so. Dann kann ich nicht spielen. Dann muß derjenige sich holen, wen er will. Ich kann nicht so spielen, wie ein Anderer.

? Könntest Du eigentlich auch ganz allein, ohne Mitspieler auftreten?

! Das habe ich schon gemacht. Aber ich spiele gerne mit Leuten. was soll ich allein spielen? Alleine - okay, kann ich, aber das ist so egoistisch. Dann bin ich ein Showman oder so. Nein, da spiele ich lieber mit Leuten. Aber ich könnte es, ich kann 45 Minuten allein spielen. kein Problem. Aber irgendwie brauche ich Freunde, mit denen ich spielen kann. Zuhause spiele ich sowieso allein. Was soll ich Live auch allein spielen?

? Trilok, statt mit Elektronik spielst Du mit einem Wassereimer, mit Trillerpfeifen, Deiner Stimme. Lehnst Du technische Möglichkeiten grundsätzlich ab?

! Nein, nein. Ich benutze auch Reverb und so was. Und manchmal gebe ich dem Schlagzeug ein bißchen Hall oder so. Aber Elektronik habe ich nicht. Elektronik war bei mir der totale Flop; akustisch habe ich für die Klänge einfach ein besseres Gefühl. Aber ich versuche es noch mal. Ich habe da so eine neue Idee. Ich habe mir ein anderer Gerät gekauft. Ich versuche das solange, bis ich der Meinung bin, daß es wie Ich klingt. Dazu habe ich einen TG-Elektronik gekauft da will ich Sachen mit Stimme und Händen machen. Es muß irgendwie frisch klingen und wenn ich das erreiche, dann ist das okay Damit versuche ich es, bis ich überzeugt bin: das ist gut. Sonst lasse ich es wieder. Auch wenn das Geld im Eimer ist.

? Würdet Du Dir zutrauen, eine indische Gruppe zu formieren und nur indische Musik zu spielen?

! Da wäre aber keine Gruppe, das wäre eine Sologeschichte. In der indischen Musik gibt es immer einen Solisten mit Begleitung. Das ist wie in der Klassik: ein Solist und andere; das wäre reine klassische, indische Musik. Klar würde ich solche Musik spielen. Noch lieber würde ich aber Musik machen wie auf Usfret. Da möchte ich gern Inder oder Afrikaner dabei haben, denn meine Roots kommen von dort. Südindien, Indien und Afrika. Die Grooves, Rhythmen und der Gesang, so wie bei den Pygmäen, wo ich mit Philipp Catherine und Jasper van't Hof war, da habe ich mir viel angeschaut und viel gelernt. Also, wenn ich solche Leute treffe, und mich gut mit ihnen verstehe, dann würde ich eine solche Gruppe machen. Z.B. mit einem Instrument aus Marokko Das heißt Ganawa uns ist eine Art Bass-Gitarre das klingt vielleicht toll. Aber vielleicht finde ich eines Tages ein paar wirklich kreative indische Musiker, mit denen ich eine Gruppe machen kann. Es gibt z.B. in Australien einen Inder, der baut tierische Instrumente. Davon habe ich schon zwei Stück. Und niemand weiß von diesem Menschen. Ja, vielleicht klappt das ja eines Tages, wenn die Inder ein bißchen offener sind und nicht so wie Pferde. Viele Inder sind wie die klassischen Musiker hier: Wir! Wir! Ja, was Wir? Uns! Musik ist nicht aus der Dose, sie gehört nicht mir oder Dir. Was soll das? Weg damit. Wenn jemand offen ist, dann kann man arbeiten.

? Eine indische Gruppe ist eine Idee. Was hast Du sonst noch für konkrete Projekte?

! Es gibt vielleicht ein Projekt mit Joe Zawinul, aber das weiß ich noch nicht genau. Wir haben einmal zusammen gesprochen. Ich habe auch mit Jack DeJohnette über eine neue Platte gesprochen. Bislang sind das aber alles nur Gespräche und Ideen ... Shankar, Ornette, Bill Laswell oder mit dem Bremer Theater. Das will ich vielleicht machen, daran habe ich wirklich Interesse.

? Was ist mit dem Bremer Theater?

! Da soll ich irgendein Stück von irgendeinem Komponisten spielen. Wie sollen 3 Wochen proben und dann auf Tournee gehen. Aber ich habe wenig Zeit, ich habe John, Katia und Marielle, meine eigenen Sachen. Ich gehe nach Mexiko und Australien und da und da. Das ist also sehr kurzfristig für mich. Aber ich würde gern mit Theater oder Ballett oder mit Tanz etwas machen. Wo ich auf die Tänzer reagieren kann oder sie auf mich, so spontan. Wenn das nämlich eine gute Tänzerin oder Tänzer ist, dann ist es toll zu spielen. Jeder erzählt dann eine Story, eine eigene Story Vielleicht auch mit einem Sänger, das wäre toll. Das wäre etwas Neues für mich.

? Die abschließende Frage ist nach Deiner neuen Platte. Wann wirst Du sie veröffentlichen?

! Das weiß ich noch nicht. Bis jetzt ist davon etwa ein Viertel fertig. Jetzt muß ich den nächsten Teil fertig machen. Ich denke, sie wird irgendwann in diesem Jahr rauskommen. Das liegt auch nicht nur an mir. Wie gesagt, da sollen viele Leute mitspielen. Nana, Gabarek und das Geld wenn ich die Leute alle zusammen kriege. Alle auf einen Haufen, dann ist die Platte fertig.