John Mc Laughlin 

Osnabrück, 1990


Frage: John, was bedeutet Jazzmusik heute für dich?

McLaughlin: Jazz ist der eigentliche Rhythmus des 20. Jahrhunderts, und Jazz ist mein Lebensweg. Ich fühle mich besonders von den Improvisationsmöglichkeiten
im Jazz angezogen; es ist eben meine musikalische Disziplin.

Frage: Du hast mit indischer Musik, mit dem Flamenco und mit Klassik experimentiert. Ist die Trio-Arbeit jetzt das ,,letzte" Experiment?

McLaughlin: Ein Trio ist eine musikalische Einheit, in der die Entwicklungsmöglichkeiten wirklich außergewöhnlich sind. Wir arbeiten jetzt seit drei Jahren zusammen, und ich stelle fest, daß wir innerhalb unserer Einheit immer noch experimentieren. Von einem ,,letzten" Experiment kann a]so keine Rede sein.

Frage: Wenn man eure neue Live-Platte] hört, gewinnt man den Eindruck, das sei kein Jazz mehr, sondern eine eigenständige McLaughlin-Musik...

McLaughlin:... wenn wir spielen, dann denken wir nicht darüber nach, ob wir
Jazz spielen. Außerdem ist das doch nur ein Spiel mit Worten. Du könntest unsere Musik auch ,,green music" nennen. Ich jedenfalls kann der Musik nur sehr schwer ein Label aufdrücken, schließlich ist sie ein Teil meiner Existenz.

Frage: Wer sind die Mitglieder deines Trios und wie habt ihr euch gefunden?

McLaughlin: Ich war eigentlich immer auf der Suche nach einem guten Perkussionisten. Und als ich eines Tages Trilok Gurtu spielen hörte; er hat ja klassische indische Musik studiert, da wußte ich vom ersten Moment an: Das ist der Typ, mit dem ich spielen werde. Ich rief ihn also an und er sagte:
OK, laß es uns versuchen. Unser Bassist, der Deutsch-Afrikaner Kai Eckardt-Karpeh, wurde mir von einem Freund, von Gary Burton, empfohlen. Und da waren wir drei.

Frage: John, was ist deine wichtigste musikalische Erfahrung?

McLaughlin: (lacht). Unser nächstes Konzert. Ich meine, ich habe sehr viele Erfahrungen mit Miles]es Davis, mit Paco De Lucia oder mit Shakti gemacht, aber die größte Belohnung ist doch, wenn du während eines Konzertes inspiriert wirst. Das kann durch nichts ersetzt werden, und so etwas geschieht in unseren Konzerten so zwei- bis dreimal im Jahr.
Frage: Du spielst Jazz und du spielst Klassik. Bist du ein Musiker mit zwei See]en?

McLaughlin: Nein. Jede Persönlichkeit hat meiner Meinung nach mindestens zwei Seiten; sie ist wie ein Juwel, mit vielen Facetten. Das Funkeln aber, das Licht, bleibt immer das gleiche. So auch in der Musik. In jedem Fall bleibt es doch meine Musik, und so gesehen, befinde ich mich doch in einer idealen Situation.

Frage: John, wenn du eine Überschrift für Euer Konzert wählen müßtest, wie würdest du es nennen?

McLaughlin: Das ist eine sehr schwere Frage, dazu müßte ich lange überlegen: Ich glaube, daß man Musik keine Namen geben kann; Namen täuschen manchmal etwas vor, sie können lügen. Musik dagegen kann nicht lügen; deswegen bin ich auch mit Worten sehr vorsichtig.